Den Himmel sehen - Für Mark
Wasser im Frühling, in Eimern und Zinkwanne, Vogelgesang in den hohen Bäumen hinterm Haus in Darmstadt, Spiegelungen - Heinrich Adams Kopfstudie von Kaspar Hauser, dazu:
"Ein Anblick machte jedoch hiervon eine merkwürdige Ausnahme und wurde ein großes, ihm unvergeßliches Ereignis seines mehr und mehr sich entfaltenden geistigen Lebens.
Es war im Monat August (1829), als ihm an einem schönen heitern Sommerabend sein Lehrer zum erstenmal den gestirnten Himmel zeigte.
Sein Erstaunen und Entzücken überstieg jede mögliche Schilderung. Er konnte sich nicht satt daran sehen, kehrte immer wieder zu diesem Anblick zurück, faßte dabei die verschiedenen Sterngruppen richtig ins Auge und bemerkte die ausgezeichneten hellen Sterne mit ihren verschiedenen Farben. "Das", rief er aus, "das ist aber doch das Schönste, was ich noch auf der Welt gesehen habe. Wer aber hat die vielen schönen Lichter da hinaufgestellt, wer zündet sie an, wer löscht sie wieder aus?"
Als man ihm sagte, daß sie, wie die Sonne, die er schon kenne, immer fortleuchteten, aber nicht immer gesehen würden, fragte edr von neuem: wer sie denn da oben hinaufgesetzt habe, daß sie immerfort brennten?
Endlich verfiel er, indem er gesenkten Kopfes, unbeweglich, mit starren Augen dastand, in tiefes, ernstes Nachdenken.
Als er wieder zu sich kam, war sein Entzücken in Schwermut übergangen.
Er ließ sich zitternd auf einen Stuhl nieder und fragte: warum jener böse Mann ihn doch nur immer eingesperrt gehalten und von allen diesen schönen Sachen ihm gar nichts gezeigt habe, er (Kaspar) habe doch nichts Böses getan.
Er brach hierauf in ein langes, schwer zu stillendes Weinen aus, und sagte: man möge nun auch einmal den Mann, bei dem er immer gewesen, auf ein paar Tage einsperren, damit er wisse, wie hart dieses sei.
Vor diesem großen Himmelsschauspiele hatte Kaspar noch nie Unwillen gegen jenen Mann geäußert, noch weniger von einer Bestrafung desselben etwas wissen wollen.
Nur die Müdigkeit und der Schlummer vermochten seine Empfindungen zur Ruhe zu bringen; er schlief - was vorher noch nie geschehen war - erst gegen 11 Uhr ein."
Auszug aus:
Anselm von Feuerbach: "Kaspar Hauser, Beispiel eines Verbrechens am Seelenleben des Menschen, Mit Zeichnungen"
Aus dem Filmnachspann:
Feuerbach hinterließ fünf Söhne:
Joseph Anselm Feuerbach (1798-1851), Archäologe und Philologe
Karl Wilhelm Feuerbach (1800-1834) , Mathematiker
Eduard August Feuerbach (1803-1843) , Rechtsgelehrter
Ludwig Andreas Feuerbach (1804-1872), Philosoph und Anthropologe
Friedrich Feuerbach (1806-1880) Philologe und Philosoph
Der Maler Anselm Feuerbach (1829-1880) war sein Enkel.
Samuel. Und was ist unser Verbrechen an der Seele des Kinds?
Der Bericht eines "Wolfskinds" aus unsern Tagen, nicht zu verstehen als Antwort auf die Frage eben. Wir haben jeder in unserm eigenen Innern zu suchen nach unsern Verbrechen am Kind, an unsern für die Welt erzogenen Kindern, am Kind in uns selber, an der Gleichgültigkeit armen Kindern gegenüber ...
Dog Girl
http://de.youtube.com/watch?v=qyqbnDjId7g&NR=1
(Ergänzung vom Osterdienstag, 25. 3. 2008)