Berlin-Schöneberg: Läuten Kapelle Alter St. Matthäuskirchhof
Der Alte St. Matthäus-Kirchhof Berlin ist ein historischer Friedhof in Berlin mit vielen kulturhistorisch bedeutenden Grabmälern, die heute zum Teil unter Denkmalschutz stehen. Der Kirchhof liegt zwischen der Großgörschenstraße und der Monumentenstraße im East End von Schöneberg, der Roten Insel. Wie der 500 Meter östlich liegende Kreuzberg fällt der Friedhof sanft zum Berliner Urstromtal mit dem Flusslauf der Spree ab, da er auf dem Nordabhang des Teltow angelegt ist und die namengebende Erhebung für das Dorf Schöneberg war.
Der Friedhof wurde am 25. März 1856 eingeweiht und gehört zu der im südlichen Tiergarten-Viertel gelegenen St. Matthäus-Gemeinde (im heutigen Kulturforum, das bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als „Geheimratsviertel" bezeichnet wurde).
Auf dem Friedhof an der Großgörschenstraße befinden sich heute über 50 Gräber prominenter Persönlichkeiten, die als Ehrengrabstätten anerkannt sind und für deren Pflege und Erhalt das Land Berlin sorgt. 1907/1908 ließ die Gemeinde einen Zentralbau mit Kuppel in Barockmanier errichten, der sehr wahrscheinlich von dem Baurat Carl Tesenwitz entworfen wurde.
Der Friedhof sollte im Rahmen der nationalsozialistischen Pläne für eine Welthauptstadt Germania aufgegeben werden. In den Jahren 1938 und 1939 wurden ein Drittel der Grabstätten im nördlichen Teil auf den Südwestkirchhof Stahnsdorf umgebettet. Um dem heutigen Besucher einen Eindruck vom Umfang der Veränderungen von 1938/1939 zu geben, wurde ein Gedenkstein am ehemaligen Standort des Erbbegräbnisses der Verlegerfamilie Langenscheidt aufgestellt. Dieses Mausoleum ist noch in Stahnsdorf erhalten. Es wurde jüngst restauriert.
Auf dem Matthäus-Kirchhof ist ein Gedenkstein für die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 um Claus Graf Schenk von Stauffenberg errichtet worden, die im Bendlerblock erschossen und an dieser Stelle begraben wurden. Wenig später wurden die Toten von der SS exhumiert, im Krematorium Wedding verbrannt und die Asche auf Rieselfeldern verstreut.
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts übernahm der eingetragene Verein „Denk mal positHIV" die Patenschaft für die ausgedehnte Grabstätte des Rentiers Albert Streichenberg, um einen Ort des Gedenkens und der Bestattung für Menschen mit HIV und AIDS in Berlin einzurichten. Das Marmorrelief eines „Genius" stammt von Rudolf Pohle.
Vorhandene Ehrengräber:
Heinrich Adolf von Bardeleben (1819--1895), Chirurg
Max Bruch (1838--1920), Komponist und Dirigent
Georg Büchmann (1822--1884), Sprachwissenschaftler, („Geflügelte Worte")
Otto von Camphausen, (1812--1896), Preußischer Finanzminister
Minna Cauer (1841--1922), Frauenrechtlerin
Ernst Curtius, (1814--1896), Archäologe, Leiter des Alten Museums und des Antiquariums
Adolph Diesterweg (1790--1866) Schulreformer
August Wilhelm Dressler 1886--1970), Maler der Neuen Sachlichkeit
Gustav Eberlein (1847--1926), Bildhauer, Maler und Schriftsteller
Rudolf von Gneist (1816--1895), Politiker
Wilhelm Griesinger (1817--1868), Psychiater und Internist
Herman Grimm (1828--1901), Literaturhistoriker, Goethe-Forscher, Sohn von Wilhelm
Jacob Grimm (1785--1863), Germanist und Sammler deutscher Märchen
Wilhelm Grimm (1786--1859), Germanist und Sammler deutscher Märchen
Adolf von Harnack, (1851--1930), Theologe, Kulturhistoriker, erster Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
David Kalisch (1820--1872), Mitbegründer der Zeitschrift Kladderadatsch
Gustav Kirchhoff (1824--1887), Physiker
August Kiß (1802--1865), Bildhauer
Leopold Kronecker (1823--1891), Mathematiker
Bernhard von Langenbeck (1810--1887), Chirurg
Alfred Messel (1853--1909), Architekt
Xaver Scharwenka (1850--1924), Komponist und Pianist
Wilhelm Scherer (1841--1886), Germanist
Heino Schmieden (1835--1913), Architekt
Friedrich Julius Stahl (1802--1861), Konservativer Publizist, Begründer der „Kreuz-Zeitung"
Bethel Henry Strousberg (1823--1884), „Eisenbahnkönig"
Heinrich von Sybel, (1817--1895), Historiker
Rudolf Virchow (1821--1902), Arzt und Sozialpolitiker